Warnung: Obwohl ich keine Storydetails verrate, könnte euch dieser Artikel einige Überraschungen vorwegnehmen. Wollt ihr Nehrim also ohne jegliches Vorwissen beginnen, solltet ihr nicht weiterlesen.
Seit einigen Jahren verfolge ich schon die Entwicklung von “Nehrim - Am Rande des Schicksals”, des bestimmt ambitioniertesten Mod-Projekts für Oblivion. Schon von Anfang an war klar, dass das Team von Freiwilligen (SureAI), das sich für dieses Projekt zusammengefunden hatte, gute Chancen hatte, das beste Rollenspiel der letzten Jahre zu erschaffen. Vier Jahre lang haben sie geschuftet, und endlich nähert sich Nehrim der Vollendung. Man kann sich vorstellen, wir groß meine Freude war, als mich Arandor vor einigen Wochen gefragt hat, ob ich nicht am Nehrim-Betatest teilnehmen wollte. Letzten Samstag konnte ich dann mit dem Spielen beginnen. Endlich hatte das Warten ein Ende!
Die erste Stunde
Die Installation ist vorbei, das Spiel gestartet und endlich, nach Jahren des Wartens kann ich auf den Button klicken, der ein neues Spiel startet. Ich werde mit einer Introsequenz begrüßt, in der eine mysteriöse, weibliche Stimme kurz die Vorgeschichte umreißt. Zuerst bringe ich eine Viertelstunde mit den Schiebereglern des Charakter-Editors zu, dann geht es endlich los. Das Spiel beginnt tief unter Tage, in einer alten Mine. Sofort geht es los. Ein Troll taucht auf und wird von meinem zukünftigen Begleiter erschlagen. Der folgende Dialog wirft mehr Fragen auf als er beantwortet und ich möchte wissen, was hier vor sich geht. Die Story hat mich gepackt, und wird mich so schnell nicht wieder loslassen.
Von der erste Sekunde an ist die Qualität des Leveldesigns unglaublich hoch. Jede noch so unwichtige Ecke wurde bedacht, nirgendwo wirkt etwas kahl oder lieblos hingeworfen. Die Detaildichte schlägt Oblivion um ein Vielfaches, überall liegen Fässer herum, winden sich Verladerampen durch den Raum, wachsen Pilze aus dem Boden.
Staunend beobachte ich, wie das Team von Nehrim vorführt, was man mit dem Konzept eines Minenlevels alles anstellen kann. Ich durchwandere enge Gänge und naturbelassene Höhlenteile, durchquere gigantische Höhlen auf atemberaubenden Holzkonstruktionen, erklimme Treppen, betrete sogar eine verlassene unterirdische Taverne. Niemals habe ich das Gefühl, genug gesehen zu haben, ständige Abwechslung treibt mich voran. Auf die bereits aufgebaute Spannung und Neugier bauend, lässt mich das Spiel über weite Teile in Ruhe, mich treibt der Wille, Neues zu sehen, von ganz alleine an. Trotzdem fühle ich mich nicht im Stich gelassen, denn immer wieder unterbricht ein Skript-Ereignis die Stille. An einem Punkt taucht plötzlich ein übermächtiger Troll auf, der mich für die nächsten Minuten durch das halbe Level jagt und als Aufhänger für die erste klar umrissene Aufgabe dient: Töte den Troll. Die Umsetzung dieser klassischen Aufgabe ist großartig gelungen, die ganze Aktion geht ohne einen Schwertstreich vonstatten. Stattdessen warten ein einfaches Rätsel und ein Teil, in dem es vor allem auf Schnelligkeit ankommt. Hier fällt mir zum ersten Mal das integrierte Hilfssystem von Nehrim auf: Wichtige Gegenstände sind von einem gelblichen Schein umgeben. Dadurch braucht viel weniger in Tagebucheinträgen und Dialogen erklärt zu werden, was einen flüssigeren Spielablauf und auch komplexere Quests ermöglicht.
Das Zusammenspiel aus Story, Leveldesign und Gameplay funktioniert perfekt, nichts stört die dichte Atmosphäre, die sich aufgebaut hat. Aus den Kopfhörern dringt das leichte Säuseln eines Windstoßes, im Schein meiner Fackel und vereinzelter Pilze tuen sich immer neue Entdeckungen auf, die Kämpfe sind vereinzelt, weder zu schwer noch zu leicht, langsam entfaltet sich eine Story, die auf ein komplexes Universum hindeutet… Nehrim hat mich in seinen Bann gezogen. Ich denke gar nicht daran, ins Bett zu gehen.
Frische Bergluft
Mit einem letzten Knalleffekt, den ich euch nicht spoilern möchte, entlässt mich Nehrim endlich aus den wunderschönen Tiefen des Berges. Damit ist der Prolog zu Ende, doch die Story hat nichts von ihrer Fahrt verloren. Für einen kurzen Moment ist sie aber vergessen, als ich zum ersten Mal einen Blick auf die Landschaft Nehrims werfen darf. Über mir kreisen einige Bergvögel, unter mir erstreckt sich eine waldige Landschaft, die in der Ferne effektvoll unschärfer wird. Nehrim besitzt im Gegensatz zu Oblivion einen eingebauten Tiefenunschärfe-Effekt, der die Schwächen der Engine im Bezug auf die Darstellung entfernter Landschaften kaschiert, und somit die Spielwelt ein gutes Stück glaubhafter wirken lässt. Tief beeindruckt vom auch hier herrschenden Detailgrad, der an den des Ordens erinnert, mache ich mich daran, einem kleinen Weg bergab zu folgen. Dieser Weg führt mich schließlich zu dem Bereich der Mine, der noch bewirtschaftet wird. Ein unfreundlicher Wachmann informiert mich darüber, dass momentan eine Belagerung im Gang ist. Ich kann nicht helfen, also mache ich mich auf die Suche nach Nebenaufgaben, die auch schnell gefunden sind. Zwei ebenfalls ausgesprochen einfallsreiche Quests später (darunter eine weitere Version der klassischen Rattenplage) kann ich endlich in Richtung der Abtei aufbrechen, zu der ich geschickt wurde. Glücklicherweise muss ich nicht laufen, sondern werde in einer animierten Bootsfahrt dorthin transportiert. Während wir am Ufer vorbei gleiten, erzählt mir der Bootsführer von den aktuellen Ereignissen in der Welt von Nehrim. Offensichtlich ist nicht nur in das Leveldesign, sondern auch in die Story und die Hintergrundgeschichte eine Menge Arbeit geflossen.
Schließlich erreichen wir die Abtei, ich verabschiede mich, speichere und beende das Spiel. Es ist nach Mitternacht, ich habe eine gute Stunde länger gespielt, als ich eigentlich wollte. Und ich möchte weitermachen, es liegen ja noch viele Stunden vor mir!
Wenn ich das Erlebnis der ersten zwei Stunden zusammenfassen sollte, würde ich mit einem Eindruck antworten: Dieses Spiel macht alles richtig. Man spürt, dass es von Leuten erschaffen wurde, die es gerne selbst spielen würden, die ein Auge für Details haben. Wo Oblivion nervt, macht Nehrim Spaß. Bei Oblivion ist das Interface für Konsolen optimiert und am PC nur mit Mods erträglich, bei Nehrim stimmt es einfach. Jeder Quest bis jetzt ist durchdacht, kreativ und macht schlicht und einfach Spaß, eben weil alles irgendwie stimmt. Man muss nicht ewig nach NPCs suchen, wenn man einem folgen soll, läuft dieser auch schnell genug und winkt einen sogar ungeduldig vorwärts, wenn man trödelt. Man weiß zwar immer genau, was man machen muss, wird aber trotzdem ständig überrascht.
An Nehrim sieht man, wie gut Projekte werden können, wenn sie von Leuten umgesetzt werden, die sich dafür begeistern können und wie sie kommerzielle Großprojekte in den Schatten stellen können.
Dies ist der erste Teil meines Erfahrungsberichts über Nehrim. Sobald ich etwas weiter gekommen bin, werden weitere folgen…
17 Kommentare zu Zwei Stunden in Nehrim
Wow, da bin ich ja direkt neidisch, dass das keine Open-Beta ist ;) Hört sich auf jeden Fall echt gut an. Gerade diese lieblosen 0815 Dungeons und Quests waren es, die mich an Oblivion am meisten gestört haben, aber nach dem, was du hier schreibst scheint das ja bei Nehrim nicht so zu sein.
Naja ich freu mich schon auf eine Fortsetzung deines Erfahrungsberichts… Lass dir nicht zu viel Zeit ^^
LG Joscha
PS: Was mich noch interessieren würde: Hat man bei den Rassen eine große Auswahl?
Hi Joscha,
bei den Rassen ist die Auswahl im Vergleich zu Oblivion stark beschränkt: es gibt nur Alemannen (Menschen), eine Nord-ähnliche Rasse und eine Art Elfenrasse. Gestört hat es mich bis jetzt noch nicht, ohne Argonier und Khajiit wirkt die Welt seltsam… normal. ;-)
(Ich habe übrigens einen ganz normalen Mensch genommen. Ich Langweiler…)
Hi Marcel,
erstmal ein großes Lob an dich, für den guten Bericht! Beschreibt sehr gut das erste Gefühl von Nehrim, verrät aber gleichzeitig nicht zuviel von der Story.
Du lobst die hohe Tetaildichte in Nehrim, jetzt ist aber meine Befürchtung, dass das meinen alten PC etwas überstrapaziert. Mit welchen Einstellungen bzw. Hardware hast du getestet? Gab es irgendwelche Ruckler oder Abstürze?
lg
micha
PS: Vielleicht noch was zur Charaktererstellung: Gibt es (wie in Obl) nochmal einen Speicherpunkt nachdem man nochmal class, birthsign, race ändern kann? Oder muss man, wenn man nen neue Charakter/Rasse Kombi ausprobieren will, dass ganze anfangszenario durchspielen?
Alemannen? Wie patriotisch von den Moddern ;)
Kanns kaum erwarten bis die Mod veröffentlicht wird! Bald ist die Wartezeit und auch das Abi vorbei und ich werde viel Zeit zum Zocken haben. Juch-he
Toller Bericht (man erfährt auch nicht zu viel von der Geschichte) und auch die Bilder sehen gut aus.
p.s Das Bild mit dem Schwert/ Messer funktioniert nicht.
p.s.s Wie groß ist eigentlich die Spielwelt größer oder kleiner als Cyrodil?
Du Glücklicher =)
Aber ich freu mich schon riesig auf das Spiel bzw die Mod.Wenn alles wirklich so toll ist,wie du beschrieben hast,dann gute Nacht Oblivion.Dann wird Nehrim das neue Spiel des Jahres =D
Aber ruckelt das Spiel eigentlich nun stark?Oder noch im Bereich des erträglichen?
PS:Mach dir nichts drauß,Menschen rocken eh alles^^
Hört sich echt gut an! Da freue ich mcih doch, dass ich trotz der langen Zeit Nehrim immer noch verfolge - und nun scheint das Warten ja bald ein Ende zu haben.
Und vielen Dank für deine ersten Eindrücke, da weiss man ja quasi schon dass man auf die fertige Version nur freuen kann!
Übrigens noch: Sehr gut be- und umschrieben, du verrätst zum Glück kaum was von der story… da bleibt die Spannung erhalten!
Das mit den Rassen bin ich ja von Arktwend gewohnt und stört mich auch nicht weiter, denn schließlich befinde ich mich ja in der Lore von Nehrim und nicht in der von Tamriel. ;)
Dieser Eintrag ist wirklich ein äußerst netter, gut geschriebener erster Einblick in dieses wunderbare Spiel. Wie es scheint, ist der Hype um Nehrim uneingeschränkt berechtigt, nicht, dass ich jemals daran gezweifelt hätte… ^^
Du bist ehrlich ein großer Glückspilz Nehrim jetzt schon spielen zu dürfen, wobei ich das Projekt auch schon beinahe seit seinem Beginn verfolge und so allmählig vor Vorfreude platze!
Also, mit Verlaub, SPIEL HINNEEEE!!! :)
Liebe Grüße
Vielen Dank euch allen für das Lob! Das erfreut den Schreiberling doch immer. :)
@Michael: Im Vergleich zu Vanilla-Oblivion musste ich die Regler so um ein viertel bis die hälfte zurücknehmen, dann läuft es aber fast immer flüssig, nur bei manchen besonderen Ereignissen mit viel Physik (z. B. fallende Steine) stockt das Spiel kurz… mach’ dir keine Sorgen. ;)
Die Rassenwahl erfolgt direkt am Anfang, Sternzeichen und Klasse habe ich immer noch nicht gewählt… wird wohl noch kommen. Ob man dann auch noch seine Rasse ändern kann, weiß ich nicht.
@Paul: Viel Erfolg beim Rest-Abitur!
@Thomas: Danke für den Hinweis… ist behoben. Ich konnte noch keine Größenvergleiche anstellen… wenn ich mir aber so die Karte anschaue, sieht das schon nach ziemlich viel Landschaft aus…
Hey Marcel,
ich kann mich meinen Vorrednern anschließen. Ein super Bericht! Ich warte sehnsüchtig auf neue Eintragungen … es versüßt mir die Zeit, in denen ich noch (wie Paul) Abiklausuren schreibe. Wenn die letzte vorbei ist, spiel ich erstmal den ersten Akt des Ordens, der macht mich auch schon ganz heiß, aber wenn ich jetzt anfangen würde, würde ich wohl nicht mehr aufhören :D
Mein Neid ist dir Betatester gewiss. ;)
LG
Danke, Trekker… ich arbeite daran, muss mich aber im Moment selbst mit der Schule beschäftigen… ich habe gerade mal etwas die Landschaft erkundet, ein paar Dungeons geräumt… damit ich nicht so viele Story-Spoiler machen muss. Wahrscheinlich geht es in der nächsten Runde eher um “Blut, Morde und Höhlen” als um die Hauptstory. Die möchte man ja nicht verraten! (Wenn alles nach Plan verläuft, sollte ich noch so ungefähr eine Woche brauchen. Man will ja auch etwas zu berichten haben.)
:)
Hallo Marcel,
auch damit kann ich (denke ich) leben :D. Schließlich ist das an “Blut, Morden und Höhlen”, was man in den Gameplay-Videos bisher als nicht-Privilegierter sehen konnte, ungemein stimmungsvoll. Einfach nichts im Vergleich zu den 0815-Wäldern und/oder Höhlen von Vanilla Oblivion. Freiheit, nicht wahr … ;)
Also als erstes super Bericht. Sehr gut geschrieben. Nach diesem mehr als positiven Bericht kann ich es kaum noch abwarten selbst Nehrim zu spielen. Ich bin schon ziemlich gespannt. Ich freue mich auf den 2. Teil deines Berichts.
Viele Grüße
Dominik Kempe
Danke sehr, Dominik!
Der zweite Teil ist immer noch in Arbeit, aber irgendwie geht es hier mal wieder drunter und drüber… bis Ende der Woche sollte es aber soweit sein. ;-)
@Trekker
Genau, Freiheit… Nehrim ist da wirklich das perfekte Beispiel. :)
Also GIGANTISCH gut!!! Auf Argonier und vor allem Khijten kann ich getrost verzichten. Die fand ich in Oblivion bzw. Elder Scrolls schon immer voll daneben und hässlich. Diese wiederlichen Katzenfiecher grins. Nehrim wird wohl der absolute BURNER Juhhuu da freut sich unser Team darauf :)
Endlich mal wieder ein anständiges Spiel.
Glückwunsch zu diesem super Bericht von Dir. Sehr gut artikuliert.
Wir brauchen übrigens auch noch Schreiber und wir haben auch Positionen in allen anderen Bereichen der Spiele Entwicklung allerdings suchen wir nur ehrenamtliche Team Verstärkung. Wer Interesse hat hier http://gamesarmylabs.de/
Viel Spass mit NEHRIM :)
Vielen Dank für das Lob! Nehrim ist (und wird) ein super Spiel. Ich freue mich schon darauf, bald weiter zu spielen… im Moment geht hier zu viel ab, um dafür Zeit zu finden. Daher kann ich auch leider nicht bei euren GamesArmyLabs mitmachen. Hoffentlich findet ihr genügend Leute. :)
Dieses Spiel hat das Ausmaß der Entwickler Oblivions schon überschritten. Oblivion war lediglich das Rohmaterial, und Nehrim ist das eigentliche fertige Spiel, scheint mir. Noch nie hat mich ein Spiel derart gefesselt. Es ist göttlich, ich würde mich nicht wundern, wenn Bethesda die Leute die Nehrim entwickelt haben, einstellen würden. xD
Auch n paar Elemente aus anderen Spielen sind vorhanden, wie “Thoriumerz”. Ein paar Bekannten dürfte dies wohl bekannt sein x)
Also ehrlich, Nehrim ist ohne Übertreibung das beste Spiel das Modder jemals entwickelt haben.
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